ISLAM

DIE HERRSCHENDEN KLASSEN WOLLEN DEN ISLAM "MODERNISIEREN"

In den letzten Monaten haben die herrschenden Klassen über einige Medien eine Diskussion begonnen. Thema war mit den Worten des Ministers für religiöse Angelegenheiten Mehmet Nuri Yılmaz, eine "aktuelle Auslegung des Korans". Zeitweise meldeten sich auch einige Verantwortliche anderer mohamedanischer Länder in dieser Debatte zu Wort.
Wir wollen zunächst einige Zitate aus der Presse wiedergeben, und anschliessend uns dazu äußern.
"Wenn man vom Islam redet, so entsteht im Kopf ein Bild von Gewalt, Folter, Einsperren der Frauen zu Hause und ihre Isolierung vom sozialen Leben. Unsere Aufgabe ist es dieses Bild zu ändern. Der Islam verträgt sich nicht mit diktatorischen Regimen. Die Staatsführung durch Könige widerspricht dem Islam". (Mehmet Nuri Yılmaz, in der Zeitung Sabah vom 20.7.2000)
Weiter meint der Minister für religiöse Angelegenheiten Mehmet Nuri Yılmaz:
"Unsere Arbeit wird in der ganzen islamischen Welt auf grosses Echo stossen. Denn die Türkei, die auf der ganzen Welt als Beispiel gilt, weil sie den Islam im Lichte der Wissenschaft richtig lebt, wird zum ersten Mal eine Kommentierung des Korans vornehmen. Das ist unser Geschenk an die islamische Welt."
Neben den Büchern, die religiöse Angelegenheiten kommentieren, sollen auch die Bücher mit den Berichten und Aussprüchen des Propheten Mohammeds und der Rechtswissenschaft überarbeitet werden.
Ebenso werden die Schriften, die es heute zu diesen Fragen auf dem Markt gibt bewertet, so z.B die Kommentierung durch Şeyhülislam Musa Kazım, die nur halbfertig ist, die Kommentierung von Elmalı, dem Herrn Vehbi aus Konya, die von Celal Yıldırım und Süleyman Ateş. Zu allen führt Nuri Yılmaz aus:
"Diese Kommentierungen stammen von einzelnen Personen. Unser Kommentar wird der erste sein, der von einer durch die offizielle Autorität des Staates gebildeten Kommission organisiert, und auch von Wissenschaftlern unterstützt wird."
Der Aberglaube soll aus den religiösen Schriften "gesäubert" werden. Als Beispiele führt Nuri Yılmaz, Aussagen an wie "Vor einem der betet darf keine Katze, Hund und Frau hergehen. Frauen sind Intriganten", die angeblich erfunden seien.
Dieser Interpretation stimmten in der Zeitung Hürriyet vom 21.7. 2000 auch der Ministerpäsident von Malaysia Mahathir Muhammed und der Scheich Zaki Yamani weitgehend zu.
Der Koran, der "voraussah", dass hunderte von Jahren später die herrschenden Klassen der Türkischen Republik ihn revidieren wollten, traf "weitsichtig" wie er war, Vorsichtsmassnahmen!
Im Koran selbst ist eindeutig festgehalten, dass er unveränderbar ist.
"Das Wort deines Herrn wird vollendet sein in Wahrheit und Gerechtigkeit. Keiner vermag Seine Worte zu ändern, und Er ist der Allhörende, der Allwissende" (Sure 6, Das Vieh, 116)
"Hast du nicht gesehen, die über Allahs Zeichen streiten? Wie lassen sie sich abwendig machen!" "Jene, die nicht an das Buch glauben noch an das, womit Wir Unsere Gesandten geschickt. Bald aber werden sie es erfahren, Wenn die Eisenfesseln um ihre Nacken sein werden, und Ketten. Sie werden gezerrt werden In siedendes Wasser; dann werden sie ins Feuer geworfen werden. " (Sure 40, Der Gläubige, 70- 73)
"Nichts haben wir in dem Buch ausgelassen" (Sure 6, Das Vieh, 39)
Mehmet Nuri Yılmaz stimmt in diesem Punkte nicht mit dem Koran überein. Er vertritt, dass der Koran unzureichend ist, und will ihn deswegen "aktualisieren" . Er behauptet, dass der Koran eigentlich ein Buch der Liebe, des Friedens und ja ein demokratisches Buch sei, aber falsch interpretiert würde. Der Koran ist seiner Meinung nach schwer verständlich, und deswegen kommt es zu Fehlern, wenn jeder einzelne ihn nach Lust und Laune selbst interpretiert.
Der Koran selbst lehnt solche Vorstellungen ab:
"Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen. Alif Lam Ra. Das sind die Verse des deutlichen Buches. Wir haben es offenbart Ğ den Koran auf arabisch-, damit ihr verstehet." (Sure 12, Joseph, 1-3)
"Und wäre es Allahs Wille, Er hätte ihr Gehör und ihr Gesicht fortgenommen. Allah hat die Macht, alles zu tun, was Er will. Sie sprachen: "Heilig bist Du! Wir haben kein Wissen ausser dem, was Du uns gelehrt hast; wahrlich, Du allein bist der Allwissende, der Allweise.' Er sprach: "O Adam, nenn ihnen ihre Namen'; und als er ihnen ihre Namen genannt hatte, sprach Er: "Habe Ich euch nicht gesagt: Ich weiss die Geheimnisse der Himmel und der Erde, und Ich weiss was ihr offenbart und was ihr verhehlt'". (Sure 2, Die Kuh, 21, 33-34)
Was ist das für ein Gott, der selbst die Macht über alles hat, aber gleichzeitig im Koran die primitivsten wissenschaftlichen Erkenntnisse in Frage stellt?! Da sind wir wirklich gespannt, wie die grosse "wissenschaftliche Kommission" von Mehmet Nuri Yılmaz dazu Position bezieht!!!
Wie wird sich wohl die vom Ministerium für religiöse Angelegenheiten gegründete Kommission zu den Worten Mohammeds über die Entstehung der Jahreszeiten verhalten? Diese Geschichte über die Entstehung der Jahreszeiten wurde von der gleichen Kommission im Buch "Sahih-Bihari Muhtasari Tecrid- i Sarih Tercemesi ve ßerhi" Band 2, S. 467-477 abgedruckt.
Hören wir uns an, wie nach Mohammet die Jahreszeiten entstanden:
"Wenn die Hitze zu unerträglich stark ist, dann führe dein Pflichtgebet erst aus, wenn es etwas kühler geworden ist. Denn die Gewalt der Hitze kommt daher dass die Hölle kocht. Die Hölle fleht zum Erschaffer: o, Erschaffer, ich verzehre mich selbst, lass das bitte zu. Der grosse Gott gab der Hölle daraufhin das Recht zweimal zu atmen. Einer der Atemzüge ist der Winter, der andere der Sommer. Die grösste Hitze der wir ausgesetzt sind, und der strengste Winter dem wir ausgesetzt sind ist das". (Wiedergegeben in "Kritik des Koran" von Ilhan Arsel, 1, kaynak Yayynlar)
Wir hören also, die Entstehung der Jahreszeiten kommt daher, weil die Hölle kocht. Da sie ständig kochte begann sie damit sich selbst zu verzehren. Daraufhin gibt Gott der Hölle das Recht zwei Atemzüge zu tun. Somit entstand der Sommer und der Winter!!!
Desweiteren spricht die Hölle mit Gott und gibt auf seine Fragen Antwort:
"An jenem Tage werden Wir zur Hölle sprechen:'Bist du angefüllt?', und sie wird antworten: 'Gibt es noch mehr?'" (Sure 50, K, 31)

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Nun wollen wir aufzeigen, dass die Vorstellungen, die Mehmet Nuri Yılmaz über die angebliche Stellung der Frau im Islam zum Besten gibt, einfach gelogen sind.
Mehmet Nuri Yılmaz behauptet, dass es frei erfunden sei, wenn man behauptet, laut Koran dürfe "vor einem der betet keine Katze, kein Hund und keine Frau vorbeigehen". Laut Nuri Yılmaz tritt der Koran für die Gleichheit der Frauen ein, und äußert seine Anteilnahme an ihnen.
Das ist wirklich eine dicke Lüge!
Das das nichts als eine Lüge ist kann man einmal mehr anhand von Zitaten aus dem Koran belegen.
- "die Männer (haben) einen gewissen Vorrang vor ihnen" (den Frauen)
(Sure 2, Die Kuh, 229)
- "Und ruft zwei unter euren Männern zu Zeugen auf; und wenn zwei Männer nicht (verfügbar) sind, dann einen Mann und zwei Frauen, die euch als Zeugen passend erscheinen, so dass, wenn eine der beiden irren sollte, die andere ihrem Gedächtnis zu Hilfe kommen kann". (Sure 2, Die Kuh, 283)
- "Und jene, (Frauen) von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, ermahnt sie, lasst sie allein in den Betten und straft sie (in der türkischen Übersetzung des Korans heisst es "Frauen von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, schlagt sie") ". (Sure 4, die Weiber, 35)
- "O, die ihr glaubt! Wenn ihr zum Gebet hintretet, waschet euer Gesicht und eure Hände bis zu den Ellbogen und fahrt euch über den Kopf und (waschet) eure Füsse bis zu den Knöcheln. Und wenn ihr im Zustande der Unreinheit seid, reinigt euch durch ein Bad. Und wenn ihr krank oder auf einer Reise seid, (und dabei unrein), oder wenn einer von euch vom Abtritt kommt, oder wenn ihr Frauen berührt habt, und ihr findet kein Wasser, so nehmt reinen Sand und reibt euch damit Gesicht und Hände." (Sure 5, der Tisch, 7)
Ein weiteres Beispiel aus einem Buch über die Worte des Propheten Mohammeds, das vom Ministerium für Religionsangelegenheiten herausgegeben wurde:
"Wenn vor einem der ohne Deckung sein rituelles Gebet verrichtet ein Hund, ein Esel, ein Schwein oder eine Frau vorbeigeht, so ist dieses Gebet ungültig."
Diese Worte Mohamets, von denen der Minister für Religionsangelegenheiten behauptet, sie seien frei erfunden, sind auch in der 12 bändigen Ausgabe des Ministeriums für Religionsangelegenheiten "Sahih-i Buhari Muhtasarı Tecrid-i Sarih Tercemesi ve Şerhi", das in zig Auflagen herausgegeben wurde enthalten.
Weiter verkündet Mehmet Nuri Yılmaz "wenn man vom Islam redet, denkt man an Gewalt". Dies sei aber ein ganz falsches Bild vom Islam. Aber an was anderes als Gewalt sollen wir denn denken, wenn wir die folgenden Suren lesen?
"Die nun ungläubig sind, Kleider aus Feuer werden für sie zurechtgeschnitten werden; siedendes Wasser wird über ihre Köpfe gegossen werden, Wodurch das, was in ihren Bäuchen ist, und die Haut schmelzen wird; Und ihnen sind eiserne Keulen bestimmt. Sooft sie vor Angst daraus zu entrinnen streben, sollen sie wieder dahin zurückgetrieben werden; und es wird zu ihnen gesprochen werden:'Kostet die Strafe des Verbrennens'" (Sure 22, Die Wallfahrt, 20-24)
"Der Lohn derer, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten und Unordnung im Lande zu erregen trachten, wäre der, dass sie getötet oder gekreuzigt werden sollten oder dass ihnen Hände und Füsse abgeschlagen werden sollten für den Ungehorsam oder dass sie aus dem Lande vertrieben würden. Das würde eine Schmach für sie sein in dieser Welt; und im Jenseits wird ihnen schwere Strafe zuteil." (Sure 5, Der Tisch, 34)
Diese hier in den Suren geforderten Strafmaßnahmen haben grosse Ähnlichkeit mit der Praxis der Hizbullah.

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Schauen wir uns nun an, warum die herrschenden Klassen plötzlich dieses Thema "Aktualisierung des Korans" auf die Tagesordnung setzen.
Als die Türkei Kandidat für die Mitgliedschaft in der EU wurde, wurde als Vorbedingung für eine Vollmitgliedschaft die Anerkennung der Kriterien von Kopenhagen und die vollständige Beendigung der Verletzung der Menschenrechte in der Türkei gefordert. Die Türkische Republik, deren Vergangenheit in dieser Frage sehr dunkel ist, hat begriffen, dass sie zumindestens dem Schein nach sich eine bessere Form geben muss. Insbesonders die Handlanger des Imperialismus wollen diese Umstrukturierung möglichst sofort. Denn sie wollen zusammen mit ihren Herren das unterdrückte Volk und die Arbeiterklasse am profitbringendsten ausbeuten.
Unter dieser Voraussetzungen hat der Staat parallel mit der Liquidierung der einst von ihm favorisierten "islamistischen" Terrororganisationen eine Reformbewegung ausgerufen. Die Hizbullah ist vernichtet worden. Das wird als Beleg gegeben, dass die "Demokratie praktiziert wird", und "fundamentalistische Ansichten bekämpft" werden.
Die heutigen imperialistischen Staaten haben die Probleme, die sie mit der Religion hatten mit den Reformbewegungen im 16. und 17. Jahrhundert erledigt, und dadurch die christliche Religion dem Kapitalismus angepasst. Der Kapitalismus hat jedes Hindernis, das ihm im Wege war zu seinen Nutzen umgewandelt. Dabei hat er auch die Regeln der Religion, die ihm hinderlich waren, aufgeweicht. Aber gleichzeitig nutzt er weiterhin die für ihn nützlichen Anteile der Lehren wie die vom "Schicksal" etc.
Die herrschenden Klassen inszenieren die Reformbewegung des Islams, um den Eintritt der "islamistischen" Türkei in die EU zu erleichtern. Ein reformierter Islam ist für die EU Länder akzeptabler als der heutige. Diese Reformbewegung soll gegen die politischen Kräfte gerichtet sein, die die EU als eine christliche Union begreifen und auf dieser Grundlage die Türkei ausschliessen wollen. Sie soll benutzt werden, um zu demonstrieren, dass die Türkei nicht "konservativ" ist und gegen "fundamentalistische Strömungen des Islams vorgeht".
Wenn die türkischen herrschenden Klassen die Religion reformieren, werden sie doch nie die Religion und das "Heilige Buch" leugnen. Sie werden die Religion bewahren, um sie, wenn nötig gegen das unterdrückte Volk zu benutzen. Wenn der Kampf des unterdrückten Volkes sich verstärkt, ist die Religion dagegen eine der wirksamsten Waffen in der Hand der herrschenden Klassen.
Mit Fortschreiten der Wissenschaft und der Technik zeigt sich das dumme Gefasel des "heiligen Buches" immer offener. Die herrschenden Klassen sind nicht mehr in der Lage die Inhalte des "heiligen Buches" unverändert zu verteidigen. In Panik greifen sie nach neuen Methoden und versuchen dem Volk das "heilige Buch" schön zu reden.
Diese Diskussionen zeigen wie richtig die Weltanschauung des Proletariats, der wissenschaftliche Sozialismus ist. Das Proletariat erklärt die Vorgänge in der Natur und Gesellschaft nicht durch Religion und heilige Bücher, sondern wissenschaftlich. Seine Methode ist der dialektische Materialismus.

Oktober 2000
("Aufruf für eine Neue Welt", Nr. 40/2000)